Nr.
4/2001 September
1.
Außerfernbahn jüngste Entwicklungen
2. Seminar Geotechnik und Tunnelbau
Seit 10.06.2001 wird der Personenverkehr auf der Außerfernbahn
von der Deutschen Bahn - DB Regio AG, München - im Auftrag des
Landes Tirol betrieben, nachdem sich die öBB trotz bis 2007 aufrechter
vertraglicher Verpflichtung aus diesem Verkehr zurückgezogen
hatten. Es wird ein in den Bayern-Takt integrierter Zwei-Stunden-Takt
mit Verdichtungen geboten, mit Umsteiganschlüssen in Garmisch
nach Innsbruck und München. Diese Beauftragung (als Er-satzvornahme)
wurde möglich, weil die Kosten des Angebotes mit den bisherigen
anteiligen Zuschüssen des Landes und des Bundes zusammen mit
den regulären Betriebserlösen ge-deckt werden können.
In schwierigen, aber konstruktiven Verhandlungen konnten auch tarifli-che
Regelungen vereinbart werden, die im Großen und Ganzen zufrieden
stellend sind: Innerti-rolisch und im Korridorverkehr über Garmisch-Partenkirchen
gilt der Tarif des Tiroler Ver-kehrsverbundes VVT. Im Außerfern
durchgehend und im ein- und ausbrechenden Verkehr gilt der deutsche
Personentarif DPT. Das öBB-Halbpreispaket (Vorteils-card/Umweltticket)
wird zwischen Kempten und Scharnitz mit 50 % Ermäßigung
auf den DPT anerkannt. Im Außerfern gilt nun auch das Bayern-Ticket,
wo um 40 DM = 280 ATS bis zu fünf Personen einen Tag lang den
ganzen Bayern-Takt nutzen können. Die freie Fahrrad-Mitnahme
- von Gemeinden und Tourismus des Außerfern bzw. dem Freistaat
Bayern finanziert - wird gerne angenommen. Neu ist auch der ICE-Zubringer
nach Garmisch-Partenkirchen, womit einer alten Forderung des Außerferner
Tourismus für die An- und Abreise der Gäste entsprochen
werden konnte. Eine wesentliche Hilfe bei allen Verhandlungen war
das gute Zusammenwirken mit dem Freistaat Bayern und seiner Bayerischen
Eisenbahngesellschaft.
Die Beobachtungen der ersten drei Monate zeigen eine deutliche Verkehrszunahme
gegenüber früher. Genaueres werden die Ergebnisse laufender
Zählungen zeigen. In den zurückliegenden Jahren wurden rd.
270.000 Reisende pro Jahr befördert.
Zur Begleitung des neuen Angebotes gibt es einen "Marketingbeirat
Außerfernbah" unter Vorsitz des Reuttener Bezirkshauptmannes,
der repräsentativ für das Verkehrsgebiet von Kempten bis
Garmisch-Partenkirchen besetzt ist, und wo die Gemeinden und die Interessensvertretungen
einschließlich Tourismus und Industrie entsprechend vertreten
sind.
Wesentliches Standbein der Außerfernbahn ist der Güterverkehr,
welcher durch den öBB-Güterverkehr (Rail Cargo Austria)
geführt wird und der eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung
zeigt: 2000 wurden rd. 130.000 t Güter befördert mit weiter
steigender Tendenz (früherer langjähriger Durchschnitt 50.000
t/Jahr). Dies beruht vor allem auf längerfristigen Transportvereinbarungen
mit der Firma Schretter & Cie in Vils einschließlich dem Werksverkehr
zwischen den beiden Betriebsstandorten Vils und Kirchbichl. Dieser
Güterverkehr muss derzeit wenig wirtschaftlich in Dieseltraktion
gefahren werden. Die verkehrlichen Voraussetzungen für den Erhalt
der Infrastruktur sind damit gegeben: Seitens öBB-Netz gibt es
dazu eine langfristige Zusage und auf deutscher Seite wird unter anderem
die elektrische Fahrleitung, welche im Herbst 2000 wegen ihres schlechten
Zustandes und der Einstellungsankündigung der öBB abgetragen
wurde, Frühjahr 2002 wieder aufgebaut. Die gegenseitigen Verpflichtungen
über den Eisenbahndurchgangsverkehr sind in einem Staatsvertrag
zwischen österreich und Deutschland, dem AußerfernMittenwaldbahnübereinkommen
(AMü) geregelt. Zwischen dem Land Tirol und dem Bund gibt es
Infrastrukturverhandlungen im Eisenbahnbereich, auch für die
Außerfernbahn: Vor allem Sanierungsmaßnahmen, Haltestellenkonzept,
moderner Zugleitbetrieb, alles Maßnahmen, die mehrjährig
umgesetzt werden können. Auf der Mittenwaldbahn wird der so genannte
signalisierte Zugleitbetrieb derzeit eingerichtet. Vom Zugleitbahnhof
Seefeld wird die Strecke ferngesteuert; die weiteren Bahnhöfe
auf der Strecke bleiben unbesetzt. Die Inbetriebnahme erfolgt im Frühjahr
2002.
In einer von Tirol und Bayern gemeinsam getragenen INTERREG-Studie
"Zukunft der Außerfernbahn", Anfang 2000 fertig gestellt,
sind die technischen, organisatorischen und Vermarktungsmaßnahmen
für die Entwicklung der Bahn enthalten, deren erste Schritte
nun verwirklicht werden konnten. Ziel ist ein durchgehender Personenverkehr
über den Knoten Garmisch-Partenkirchen im Taktsystem ("Sternkonzept
Garmisch"), weiters eine Anbindung im Fernverkehr von Garmisch-Partenkirchen
aus bis Reutte gleich wie nach Seefeld sowie die Integration der Bahn
in einem regionalen Verkehrssystem "Bahn + Bus".
Somit sollte es gelingen, die Außerfernbahn in eine sinnvolle
Zukunft zu führen und sie ihrem Verkehrsgebiet weiterhin nutzbar
zu machen: Sie ist eine Regionalbahn mit relativ guter Erschließungswirkung
sowie eingeschränkter Fernverkehrseignung, sie könnte im
Güterverkehr auch noch gewisse regionale Durchgangsverkehre aufnehmen.
Sie kann damit zwar nur eine relativ geringe Straßenentlastung
bieten, aber ein zweckmäßiger und vor allem unabhängiger
Zweiter Verkehrsweg sein - die Großstau-Situationen haben weiter
steigende Tendenz, die Durchführung eines verlässlichen
Linienbusverkehrs wird damit immer schwieriger. Die 130.000 beförderten
Gütertonnen entsprechen immerhin rd. 10.000 Lkw-Fahrten im Jahr
2000, eine Entlastung um rd. 5 % des Lkw-Verkehrs am Fernpass.
Die Mittenwald- und Außerfernbahn wurde 1912 bzw. 1913 eröffnet.
Vorausgegangen sind langjährige schwierige Verhandlungen um großräumige
Variantenfindung und Finanzierung, dann folgte eine z.T. äußerst
schwierige Bauführung. Die Bahn wurde für die damals neue
Elektrotraktion mit Neigungen bis 36,5 %o und darüber trassiert,
was eine große Innovation bedeutete. Die Höhenunterschiede
sind erheblich: Innsbruck rd. 600 m, Seefeld rd. 1200 m, Garmisch-Partenkirchen
rd. 750 m, Lähn rd. 1100 m, Reutte rd. 850 m. Erbauer war die
Firma Josef Riehl, die spätere Firma Innerebner & Mayer.
Die beiden Bahnabschnitte stellen heute ein touristisch viel zu wenig
beachtetes Kapital dar: Wir blicken z.B. in die Schweiz mit ihren
kühnen Bahnen und haben selbst eine der kühnsten vor der
Haustür von Innsbruck. Nicht minder reizvoll ist eine Fahrt durchs
Außerfern, was der steigende Ausflugsverkehr beweist.
Das Erbe eines Josef Riehl und eines Karl Innerebner stellt auch heute
einen Wert dar, der aber nur zum Tragen kommt, wenn er auch genutzt
wird: Der Tiroler Teil der Außerfernbahn von 45 km Länge
hat Schätzungen zufolge einen "Gebrauchswert" zwischen
1,5 und 2,5 Mrd. ATS (es ist fraglich, ob die Bahn um dieses Geld
heute gebaut werden könnte). Ca. 10 % ( ca 200 bis 250 Mio ATS
) dieses Gebrauchswertes muss für ein mehrjähriges Investitionsprogramm
aufgebracht werden (Beispiel Investitionsprogramme der österreichischen
Privatbahnen), um diesen Wert einer weiteren Generation (30 Jahre)
nutzbar zu machen; ca. 1 % ( d.s. etwa 15 bis 20 Mio ATS ) dieses
Wertes ist der jährliche Aufwand für die Betriebsbereithaltung
dieser Infrastruktur.
Die aktuelle Entwicklung weist in Richtung einer deutlich höheren
Verkehrsauslastung der Außerfernbahn. Damit steht den Aufwendungen
eine adäquate Verkehrswirkung gegenüber.
HR Dipl. Ing. Diethelm Judtmaier
p.s. Laut Tiroler Tageszeitung wird bereits gegen den Funkmast im
Bahnhof Reith protestiert Riel und Innerebner hatten es damals
leichter !
Seminar Geotechnik und Tunnelbau
Die Vorträge finden jeweils am Donnerstag um 16 Uhr c.t. im Hörsaal
B 320 der Baufakultät statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
8.11. Dr Dieter Issler, Davos, "Massenbewegungen unter Wasser
und Parallelen zu Muren"
15.11. Dr. Roland Stern, Innsbruck "Ingenieurgeologie und Böschungssicherung
die Verwendung von lebenden Baustoffen"
29.11. Dr. Daniele Pella, Politecnico di Torino "Rockfall protection
using net forces and ground reinforced walls"
13.12. Prof. Gunter Riedmüller, TU Graz "Erkundungsstrategien
für Tunnels"
20.12. Dr. Erich Rehfeld, Baugrund Dresden "Beanspruchung von
Tragschichten und Untergrund im Eisenbahnbau bei hohen Zuggeschwindigkeiten"
10.01.02. Dr. Jörg Henzinger, Ing. Büro Hammer Henzinger,
Grinzens "Geotechnische Probleme bei einem Entwicklungshilfeprojekt
Bhutan oder Peru"
17.01.02. Prof. Peter Egger, TH Lausanne "Großbauvorhaben
Lötschberg- und Gotthard-Basistunnel"
24.01.02. Prof. Wulf Schubert, TU Graz "Tunnelbau in tektonischer
Melange Probleme und Fallbeispiele"
Weitere Informationen erhalten sie im Sekretariat des Instituts für
Grund-bau und Tunnelbau unter der Tel Nr. 0512 507 6671.
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