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Nr.
1/2003 Jänner
Neue Entwicklung der Dynamischen Intensivverdichtung (DYNIV)
von Bmstr. Dipl. Ing. Leonhard Zanier
1.
die Methode
Die Technik dieser Fallgewichtsverdichtung gehört zu den modernen
Methoden der Bodenverbesserung. Der heutige Stand basiert auf den
Entwicklungen des französischen Ingenieurs Dr. Louis Menard
und später gewonnenen Erfahrungen. Seit den 70er Jahren hat
diese Methode einen unvorhersehbaren Aufschwung in der Lösung
komplizierter Verdichtungsprobleme und ganz speziell bei der Anwendung
auf große Flächen genommen. Bis jetzt wurden über
2000 Projekte der DYNIV weltweit realisiert. Die verdichteten Flächen
übersteigen bereits 21 Millionen m2.
2. das Prinzip
Das Prinzip der Verdichtung beruht in der Aufbringung hoher Energie
mittels eines Fallgewichts auf die Oberfläche eines zusammendrückbaren
Untergrunds, wobei einem Raster- entsprechend der Bodenparameter-
gefolgt wird.
Mit den speziellen Hubgeräten werden Fallgewichte von 10 bis
40 Tonnen gehoben und fallengelassen, die dann mit Energien von
100 tm bis max 1600 tm
auf dem Boden aufschlagen.
3. die Anwendung
Es existieren verschiedene Möglichkeiten der Anwendung der
DYNIV. Entsprechend der heutigen Erfahrung können nahezu alle
Typen von Böden, von Felsschüttungen,Schotter bis Sand,
aber auch lehmige und tonige Böden letztere in Verbindung
mit anderen Technologien, wie Sand-Drains, Sand- oder Steinsäulen-
verdichtet werden.
Auch Haus- und Gewerbemülldeponien können erfolgreich
verbessert werden.
In weiterer Entwicklung wurde die Methode für Unterwasserverdichtung
von Meeresböden adaptiert.
Bild 1 Schema der DYNIV - Dynamische Verdichtung
Die
Tiefenwirkung der DYNIV errechnet sich aus der Formel:
t = c . s. √M.h
t = Tiefe des Einflusses
c = Geschwindigkeitsfaktor
s = Kennzahl der Bodencharakteristik
M = Fallmasse, Gewicht in t
h = Fallhöhe der Fallmasse in m
4. die Geräte
Die verwendeten Maschinen sind hauptsächlich riesige Raupenkräne,
die speziell adaptiert werden müssen:
So werden Bremsen, Kupplungen, Gegengewichte, der Winkel des Auslegers,
die Seiltrommeln etc. geändert.
Da die maximal wirtschaftliche Hub-Kapazität der Raupenkräne
bei 25to liegt, wurden zum Erreichen tieferer Zonen spezielle Maschinen
entwickelt.

Bild 2 - Raupenkran Bild
3 - Tripode
5. die Methode der Dynamischen Verdrängung.
In weichen lehmigen und tonigen Böden kann die klassische
DYNIV nicht wirtschaftlich angewandt werden. Deshalb wurde die Dynamische
Verdrängung entwickelt, vorausgesetzt, die Stärke der
kompressiblen Schicht ist nicht zu gross ( bis 7,00m ). Von einer
Schotter-Arbeitsplattform wirken speziell geformte Fallmassen im
erforderlichen Raster ein und stossen das Schottermaterial durch
die weiche Bodenschicht. Der entstehende Krater wird wiederverfüllt
und die gleichen Punkte erneut geschlagen, bis ein Schotterpfeiler
entsteht, dessen Durchmesser von 2 4m variieren kann. Das
Material zum Wiederverfüllen reicht von Sand bis Steinbruchabfall.
Bild 4 - dynamische Verdrängung
6.
Anwendung für das Projekt Tanklager Hongkong
Das neueste Gerät für die Methode der dynamischen Verdrängung
wurde bei der Bodenverbesserung für ein Tanklager in Hong Kong
auf der Insel Tsing Yi verwendet. Dieses Öl-Terminal wurde
auf einer bis zu 40m starken Sandschüttung ins Meer errichtet,
wobei 39 Tanks bis zu 46m Durchmesser und 20m Höhe konstruiert
wurden.
Die erste Massnahme auf der Baustelle war der Aushub einer 10
25m starken Schicht aus Schlamm und Ton. Aber es blieben Tonlinsen
zwischen der Schüttung und dem darunter liegenden Fels. Die
Konstruktionsphasen werden im Bild 5 veranschaulicht.
Bild 5 Öl Terminal in Hongkong Tsing
Yi
Die
Steinsäulen durch Dynamische Verdrängung wurden mit der
gewaltigen Energie vom 1600tm/Schlag mit der Menard-Tripode erzeugt.
Dabei wurde nicht nur die generelle Verdichtung der ganzen Terminal-Zone
erreicht, sondern es werden auch die Aufschlag-Kräfte des Fallgewichtes
in grosse Tiefen der Schüttung übertragen und dabei auch
die Tonlinsen zerstört und unwirksam gemacht.
Bild 6 Tsing Yi Endzustand
Die Wirkung der Bodenverdichtung wurde mit Standard Penetrationtests
(SPT), Cone Penetrationstests (CPT), Pressiometertests, Hydrotests
und Setzungsmessungen kontrolliert und bestätigt.7. Unterwasserverdichtung
Schon 1973 wurde die DYNIV zur Verdichtung von natürlichem
Seeboden und Schüttungen erstmals angewandt. Seither wurde
diese Methode ständig weiterentwickelt und verbessert. Die
Positionierung des Arbeitspontons, speziell geformte Fallgewichte
und sorgfältiges Testen sind auch hier Voraussetzungen für
den Erfolg.
8. Wellenbrecherfundierung für einen Kriegshafen in Kuwait
Bild 7 Unterwasserverdichtungsgerät im Einsatz
Bei 10m Wassertiefe traf man auf eine ca. 30cm starke Lage von sedimentiertem
Sand und darunter liegend 5m losen ( Schwimm- ) Fliess-Sand über
dem harten Untergrund. Die DYNIV wurde auf eine geschüttete
Schicht von 1,50m Felsmaterial angewandt. Dieses Material wurde
durch die sedimentierte Schicht in den Fliess-Sand gehämmert
und dabei wurde diese lose Lage bis auf das harte Stratum verdichtet.
Die Fertigteile ( Caissons ) für den Wellenbrecher konnten
dann eingebaut werden.
Bild 8 Flottenbasis Kuwait
9.
Verdichtung von Deponien.
Müllhalden sind der einfachste und wirtschaftlichste Weg zum
Deponieren von Haus- und Industriemüll. Oft wurde dies mit
unkontrollierten Schüttungen durchgeführt. Aber mit dem
Fortschreiten der Knappheit der verfügbaren Grundflächen
wird es immer schwieriger, neue Plätze zur Ablagerung zu finden.
Diese Tatsache hat Behörden und private Firmen dazu veranlasst,
die Lebensdauer der Deponien zu verlängern und die Kapazität
zu erhöhen.
DYNIV und Dynamische Verdrängung sind ausgezeichnete Methoden,
Schutt- und Müllhalden zu verdichten. Dabei werden neben der
Volumenserhöhung der Deponie auch zwischengelagerte Dichtschichten
hergestellt.
Neben zahlreichen, erfolgreichen Anwendungen in Deutschland war
die Verdichtung von Hausmüll für die Errichtung von 2stöckigen
Wohnhäusern in Kuala Lumpur besonders zielführend. Der
Müll reichte in eine Tiefe von 8,50m.
Die Arbeitsphasen für dieses Projekt waren wie folgt:
- Aushub
der obersten 2m der Gesamtfläche
- Wiederverfüllen
mit 3m erstklassigem Sand
- Dynamische
Verdrängung unter den Hauptlasten der zukünftigen Gebäude,
d.h. Herstellen von Sandsäulen Ð 3m
- DYNIV
über die gesamte Fläche in 2 Übergängen mit
einer Glättungsphase (aus 3m Höhe wird Mann an Mann
geschlagen)
- Qualitätskontrolle
und Resultate
Der
Mittelwert der Bodentragfähigkeit wurde von vorher 125kn/m_
auf 410kn/m_ erhöht, die Setzungen waren mit 12mm kalkuliert,
8mm wurden gemessen. Zweihundert Familien leben seither sicher in
ihren neuen Häusern.
Bild 8 Startbahn des Flughafen NIZZA
Schlußbemerkungen
Dynamische Intensivverdichtung, Dynamische Verdrängung, Unterwasserverdichtung
und Verdichtung von Mülldeponien mit dem Fallgewicht sind jetzt
perfekt entwickelte, zuverlässige und wirtschaftliche Methoden
zur Bodenverbesserung.
Die Entwicklung von speziellen Geräten erlaubt die gewaltige
Energie in den Untergrund zu leiten.
Kein zusätzliches Material wie Zement, Chemikalien,
Pfähle oder Stahl wird benötigt. Nur DYNIV und reine Energie.
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